Wie Nachteulenkinder und ihre Eltern besser schlafen können - Tipps der Schlafexpertin Julia Beroleit

Kind schläft

Schlaf- und Entspannungscoach Julia Beroleit verrät im interview ihre Tipps für bessereN schlaf von Kleinkindern und ihren Eltern 

Julia Beroleit lebt mit meinem Mann und dem 7-jährigen Sohn in Berlin. Sie bietet Schlafcoachings für Eltern von Babys und Kleinkinder, sowie Massagen, vor allem für Mütter und Schwangere an. Mit dem Angebot von Cosy Eleven möchte sie Müttern wieder mehr Entspannung zurückgeben und die Energie, die sie für ein gutes, ausgeruhtes Leben im oftmals stressigen Alltag brauchen. Auf www.cosy-eleven.de schreibt sie über alles, was mit Schlaf zu tun hat, nicht nur über Baby- bzw. Kinderschlaf, sondern auch über den Eltern- bzw. Mütterschlaf.

Liebe Julia, als schlafgeplagte Mama von zwei Nachteulen-Kindern habe ich schon hunderte von Büchern zum Thema gelesen. Es ist mir also ein ganz persönliches Anliegen. Was kannst du Mamas, wie mir mit auf den Weg geben und wie kannst du uns helfen?

Ich möchte, dass das Thema „Schlafen“ wieder eine Priorität bekommt. Wenn wir erwachsen werden, finden wir, dass Schlafen überbewertet ist und denken, es wäre vielleicht Zeitverschwendung. Sobald man dann Kinder hat, kommt häufig im ersten Jahr mit dem „Babyschlaf“ Stress auf. Mein Wunsch ist, dass alle Eltern im ersten Babyjahr, am besten in den ersten sechs Monaten ein Schlafcoaching oder einen Schlafkurs machen. Denn jede Familie hat ihre ganz eigene Geschichte und ihre ganz eigenen Fragen zum Thema Schlafen. Diese Themen lassen sich nur persönlich klären, damit jede Familie ihren eigenen Weg gehen kann. Dann ist man auch entspannter - denn Wissen entspannt. 

Welche Voraussetzungen sind für gutes Ein- und Durchschlafen wichtig?

Oha, mit der Frage werden im allgemeinen ganze Bücher gefüllt :-) Das kann ich tatsächlich nicht so pauschal beantworten… Zum einen ist wichtig, dass wir schauen, wie alt das Kind ist, von dem wir sprechen. Ein Säugling braucht andere Voraussetzungen und hat andere Bedürfnisse, um gut zu schlafen, als ein einjähriges Kind und das wiederum andere, als ein vierjähriges Kind. Zum anderen hängt es auch mit der Gesamtkonstellation, dem System Familie, in das das Kind hinein geboren wird, zusammen. 

children-1922580_1280.jpg

Auch wenn augenscheinlich alle Grundvoraussetzungen, die ich als elementar betrachte, wie - satt, sicher, geborgen, umsorgt sein - gegeben sind, kann es trotzdem sein, dass Kinder oder Eltern nicht gut schlafen. Denn damit ist es oft nicht getan. Viele Eltern geben täglich alles für ihre Kinder und manchmal sogar noch mehr. Trotzdem reicht auch das manchmal nicht aus. Die Eltern fragen sich dann schon leicht entmutigt: „Was soll ich denn noch alles tun? Mehr geht nun wirklich nicht!“ Vor lauter Schlafmangel und Erschöpfung hat man dann nicht mehr den Blick von außen und weiß nicht: „Ist das jetzt das Richtige? Oder doch besser das?“ Mit einem Schlafcoaching bringen wir Klarheit in die Gesamtsituation.

Manchmal ist es nicht eine Frage der Zeit, die wir mit dem Kind verbringen, sondern der Qualität. Bin ich wirklich dabei und begleite mein Kind oder schiele ich heimlich immer ungeduldig auf mein Handy? Wenn wir wirklich präsent sind, dann sind das „Herzensmomente“ mit unseren Kindern.

Hinter jedem „nicht-(ein)schlafen-können oder wollen“ - egal in welchem Alter - steckt ein Grund, ein Bedürfnis oder eine Ursache. Von daher frage ich im Schlafcoaching immer nach dem „warum?“

Zusammenfassend sind die drei wichtigsten Voraussetzungen für guten Schlaf:

Das Kind sollte...

  • sich sicher und geborgen fühlen
  • genügend Bewegung haben am Tag
  • ausreichend schöne Herzensmomente mit emotional anwesenden Bezugspersonen haben

Was man tun kann, wenn die Kinder regelmäßig schlecht einschlafen, wie kann man ihnen helfen und sich selbst zu ruhigeren Abenden verhelfen, um letztendlich mehr Ruhe in die Familie zu bringen?

Julia Berloleit, Cosy Eleven

Wenn Kinder sich abends schwertun mit dem Einschlafen, würde ich auch hier wieder fragen: „Was heißt schlecht? Wie lange dauert es und was braucht es, bis das Kind schläft?“ Wenn das Einschlafen abends regelmäßig länger als 45 Minuten dauert, dann sollten wir herausfinden, woran es liegt. Bei Kindern ab drei Jahren beispielsweise, kann ein „nicht-einschlafen-können“ oder ein spätes einschlafen am Mittagsschlaf in der Kita liegen. Viele Kinder in dem Alter brauchen zwar eine Pause mittags, aber nicht mehr 1,5 Stunden Schlaf. Viele schlafen dann aber trotzdem ein. So haben die Eltern häufig abends das Problem, dass die Kinder noch lange wach sind. 

Manchmal hat es auch damit zu tun, dass die Kinder noch nicht „fertig“ sind mit dem Tag, ihnen fehlt noch etwas. Vielleicht waren sie den ganzen Tag bis nachmittags in der Kita oder Schule und müssen anschließend noch mit einkaufen gehen, danach gibt es Abendbrot. Sie haben also dauerhaft Programm. Zudem teilen sie sich die Zeit noch mit Geschwistern und es kann sein, dass die Kinder abends am Bett die Eltern gerne noch bei sich haben. Denn wenn die Eltern mit am Bett sitzen, dann hat man sie endlich mal ein bisschen für sich allein. Diese Zeit sollten wir ihnen dann mit vollem Herzen und mit viel Liebe geben. Das lädt ihr Bedürfnis nach richtiger Nähe dann wieder auf.

Wenn Kinder richtig spät erst schlafen können, also 22 bis 23 Uhr, haben sie sich das späte zu Bett gehen zum Teil schon richtig angewöhnt. In diesem Fall kommt es ein darauf an, wann sie morgens aufwachen oder aufstehen. Die meisten Kinder im Kita- und Grundschulalter brauchen 10-11 Stunden Schlaf nachts. Das würde bedeuten, ein Kind müsste mindestens bis 8 Uhr schlafen, wenn es abends so spät wird. In der Kita geht das noch, wenn die Eltern auch flexibel sind. Aber spätestens in der Schule wird das dann schwierig und die Kinder bekommen einen enormen Schlafmangel.

Vielen Eltern helfen Rituale nachmittags und abends, also einen Ablauf, zu welcher Zeit und in welcher Reihenfolge machen wir was? Wiederkehrende Verhandlungen über den Ablauf kosten immer Zeit und Nerven.

Es hilft, frühzeitig mit dem Abendbrot und dem Abendritual anfangen, damit für alles genügend Zeit bleibt und man nicht immer mit Blick auf die Uhr hetzen muss. Wenn es eine festgelegte Reihenfolge gibt, wann die Kinder Zähne putzen, sich den Schlafanzug anziehen, wann und wie viele Bücher noch vorgelesen werden, bringt das im Allgemeinen schon mal mehr Ruhe rein. 

Ab welchem Punkt sollte man sich die Hilfe eines Schlaf-Experten holen?

Bei den eben geschilderten Fällen, wenn ein Kind nachts zum Bespiel weniger als 9 Stunden schläft, sollte man mal schauen, ob es wirklich weniger Schlaf braucht oder ob es Gewöhnung ist oder etwas Anderes, zum Beispiel organisches/medizinisches dahintersteckt. Über Hilfe nachdenken sollte man auch, wenn mindestens eine/r in der Familie schlecht schläft - vor allem die Mütter entwickeln oft Schlafstörungen, liegen nachts wach und können nicht wieder einschlafen, weil sie förmlich darauf warten, dass ihr Kind gleich wieder aufwacht.

Meine Empfehlung ist, sich mit Fragen zum Schlafen, an eine Schlafberatung oder einen Schlafcoach zu wenden. Eltern können dort ihre Situation schildern, ausführlich besprechen und auf den Kern der Sache kommen. Manchmal, können sich Eltern durch ein Gespräch auch einfach nur die Gewissheit verschaffen, dass das, was sie machen gut ist. Wenn das Kind zum Beispiel besser im Elternbett schläft, ist s auch ok. Es gibt keine starren Regeln. Für manche ist das Familienbett gut und für andere passt es eben nicht. Wichtig ist, dass man sich nicht durch andere Meinungen verrückt machen lässt. Viele Eltern sind verunsichert von zu vielen Informationen. Es gibt keine pauschalen Wege. Es gibt viele Konzepte, Ansätze und Ideen - für jede Frage die man hat, gibt das Internet tausend verschiedene Antworten. Hier seinen ganz eigenen Weg zu finden und auf seine Intuition zu hören ist nicht leicht.

Hast du abschließend noch ein paar Tipps, die man schnell umsetzen kann?

  1. Tipp: Am Tag für ausreichend Bewegung sorgen. Um müde zu werden, brauchen wir viel Bewegung (übrigens auch wir Eltern). Sich die Zeit nehmen, Wege zu Fuß zu gehen oder mit dem (Lauf-) Rad. 
  2. Tipp: Genügend Herzensmomente mit den Kindern schaffen. Ihnen wirklich zuhören oder sich auf ihre Spiele einlassen (ohne mit den Gedanken ganz woanders zu sein). 
  3. Tipp: Sich gemeinsam entspannen: Die Füße und die Waden zu massieren oder zu streicheln ist sehr entspannend. Wenn die Kinder abends im Bett liegen, kann man ihnen so noch eine schöne Kuscheleinheit geben. Die Kinder liegen auf dem Bauch und man streicht mit langsamen Bewegungen von den Waden zu den Füßen. Die warmen Hände einfach einen Moment auf den Waden liegen lassen, dann die Fersen mit den Händen umschließen und dann den Zehenbereich. Das beruhigt oft schon ganz toll. Mein Sohn - jetzt schon 7 Jahre, hält am Tag nicht mehr viel von Umarmungen und Kuscheln, aber ab und zu, wenn er abends im Bett liegt, fragt er: „Kannst du noch meine Beine massieren?“. Dann kann er vor dem Schlafen noch einmal ein bisschen „Mama tanken“.

Passend zum Thema interviewte mich Julia Beroleit, was man tun kann, wenn das Einschlafprozedere doch mal länger dauert und wie Yoga helfen kann, unser eigenes Nervensystem zu entspannen:

http://cosy-eleven.de/2017/06/21/yogauebung-fuer-gestresste-eltern/

Angebote und Kurse: 

Im Juli wird es einen Workshop zum Thema „Babys Schlaf im ersten Jahr“ geben. Im September dann einen Babymassage-Intensiv-Kurs für Babys bis 6 Monate und dann erstmals auch einen Massagekurs für ältere Kinder. Alle weitere Infos zum Schlafcoaching und alle Massage-Angebote findet ihr auf www.cosy-eleven.de 

Brüdereinschlafen